Neue elektronische Patientenakte in Nord Dänemark gut gestartet
Bericht -- Juni 16, 2009
Die elektronische Patientenakte – auch EPR (Electronic Patient Record) genannt – erlebt in der Region Nord-Jutland in Dänemark ihre Markteinführung. Im Verlauf der nächsten Jahre sollen in allen zur Region gehörenden Krankenhäusern EPRs eingeführt werden, welche die regionalen Ärzte und das Pflegepersonal mit Patientendaten aus verschiedenen klinischen Informationssystemen versorgen. Als erste Institution hat die Abteilung für Infektionskrankheiten am Aalborger Krankenhaus den EPR erhalten. Die Reaktionen aus der ersten Realisierungsetappe sind positiv.
Umfassender und schnellerer Überblick über die Patientendaten
Im Laufe der vergangenen Woche haben Ärzte und Pflegende der Abteilung für Infektionskrankheiten im Aalborger Krankenhaus als erste die neue elektronische Patientenakte getestet.
Henrik Nielsen, Oberarzt an der Abteilung für Infektionskrankheiten ist der Meinung, dass der EPR einen besseren und schnelleren Überblick über die Patientendaten liefert: „Früher mussten wir uns in fünf verschiedene Systeme einloggen – eines nach dem anderen und jedes mit einem eigenen Passwort –, um alle benötigten Patientendaten einsehen zu können. Heute bekommen wir die gleichen Informationen mit nur einem Login. Sobald wir etwas mehr Erfahrung haben, wird uns das System einen noch nie dagewesenen Überblick und Zeitersparnis verschaffen.“
Der Oberarzt ist auch überzeugt davon, dass der EPR den Dialog zwischen geografisch getrennt arbeitenden Kollegen verbessern wird: „Nun können wir auf einfache Art und Weise Daten zwischen den unterschiedlichen Standorten austauschen. Ich kann zum Beispiel mit einem Kollegen am Telefon einen Fall besprechen, währenddem wir beide die Patienteninformationen vor uns am Bildschirm sehen. Dies ermöglicht einen guten und qualifizierten Dialog über die Behandlung.“
Seiner Ansicht nach verläuft diese erste Erfahrung mit dem EPR überaus positiv. Aus diesem Grund freut er sich darauf, wenn im Verlaufe des nächsten Jahres die Abteilung den kompletten EPR-Umfang erhält. Auch Oberschwester Jytta Mølgaard Højsleth teilt diese Vorfreude: „Diese erste Version des EPR ist ein sehr benutzerfreundliches System mit einem gut gestalteten Bildschirm-Layout, das mein ganzes Team als äusserst bedienungsfreundlich empfand. Natürlich warten wir da ungeduldig auf die Vollversion des EPR mit dem gesamten Funktionsumfang.“
Straffes Projektmanagement durch den Business Case
Dorte Stigaard, IT-Leiterin und Vorsitzende des Steuerungsausschusses des EPR-Projekts, zeigt sich ebenfalls sehr zufrieden mit dem Projektstart:
„Die Region Nord-Jutland präsentiert einen EPR-Business-Case, der die erwarteten Auswirkungen eines EPRs und eine Anzahl technischer sowie organisatorischer Voraussetzungen aufzeigt. Wir befolgten die Empfehlung des Finanzministerium, für das Fall-Management und als Evaluierungs-Werkzeug einen Business Case zur Hilfe zu nehmen. Als Ergebnis haben wir den ersten standardisierten, gruppenweit eingesetzten EPR, der auf internationalen Standards basiert und die Erwartungen und Bedürfnisse der Mediziner erfüllt. Wir erzielten diesen Erfolg mit einer EPR-Strategie, die die seit Jahren von den Ärzten verwendeten IT-Systeme integriert. Das bedeutet, dass alle Ärzte und Pflegenden mit Patientenkontakt flexibel Daten innerhalb des Krankenhauses und innerhalb unterschiedlicher Berufsgruppen austauschen können.“
Die Region Nord-Jutland hat nach Absprache mit ihren medizinischen Vertretern beschlossen, auch die Daten der Vorjahre in das neue EPR-System zu migrieren. Die Übernahme dieser zum Teil bis ins Jahr 1975 zurückgehenden Daten in einer qualitativ guten Form gestaltete sich entsprechend zeitlich aufwendig.
„Die Datenübernahme ermöglicht, dass wir ab dem ersten Tag über einen strukturierten Datensatz verfügen, aus dem das Personal systemübergreifend einen Überblick über die aktuellen und vorherigen Behandlungen des Patienten bekommt. Ich bin natürlich erleichtert und glücklich über das positive Feedback der Mitarbeiter. Alles scheint reibungslos gelaufen zu sein, dank einer grossartigen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen der IT-Abteilung, IT-Lieferanten und der Abteilung für Infektionskrankheiten. Eine erfolgreiche Einführung des ersten EPR kündigt eine neue Ära intelligenterer IT-Systeme an, die das Gesundheitswesen der Region Nord-Jutland modernisieren werden – was in erster Linie den Angestellten zugute kommt“, meint Stigaard.
Die IT-Leiterin ist zudem der Ansicht, dass sich aus dem System zahlreiche Vorteile für die Patienten ergeben: „Die Patienten werden letztlich eine durchgängigere Behandlung erfahren. Die Akten werden schnell aufgefunden, unabhängig davon, wo sich der Patient befindet. Zudem wird der EPR die Standard-Behandlungspakete unterstützen, was schliesslich die Behandlungsdauer verkürzt. Nicht zuletzt ermöglichen die Daten im EPR auch eine Automatisierung der Datenerfassung für Forschungszwecke, was uns wiederum hilft, zukünftige Behandlungsmethoden zu optimieren. Und wer weiss, möglicherweise hilft uns ein benutzerfreundlicher EPR dabei, neues Personal in die Region zu locken.“
Herstellerneutrale Strategie
Die neue elektronische Patientenakte der Region Nord-Jutland basiert auf einer herstellerneutralen Strategie, bei der die Region über eine von der Firma CSC Scandihealth A/S zur Verfügung gestellten Integrationsplattform Einheitlichkeit unter den klinischen Systemen schafft. Über eine einzige Benutzeroberfläche wird ein grosses Spektrum an klinischen Daten in einen Kontext gebracht, der als elektronische Akte, die die Patientenbehandlung unterstützt, angezeigt wird. Der EPR ermöglicht den Medizinern ein einheitliches Abrufen der klinischen Daten und reduziert somit die Notwendigkeit mehrfachen Einloggens und Hin- und Herwechselns zwischen verschiedenen IT-Systemen.
In einer ersten Phase wurden eine Arbeitsumgebung und eine Integrationsplattform geschaffen, die die grössten interdisziplinären Systeme wie diejenigen der Radiologie, Medikation, Labor, Mikrobiologie und Patientenadministration beinhaltet. Die Integration wird laufend erweitert, um auch Pathologie, Blutbank und eine Anzahl weiterer Spezialsysteme einzubinden.
Über die nächsten Jahre soll die Lösung schrittweise ausgeliefert werden; die Funktionalitäten werden laufend erweitert, während die drei bestehenden Patientenadministrations-Systeme etappenweise eingestellt werden. Die ersten zwei Lieferungen wurden erst kürzlich in der Abteilung für Infektionskrankheiten implementiert. Das nächste Paket wird die Erfassung, Aufzeichnung und Berichterstattung an nationale Behörden beinhalten.
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