Klare Sicht im Wolkendickicht
Bericht -- Oktober 24, 2012
Cloud Computing als Kostenbremse und Innovationsmotor
Gerhard Fercho, Vorsitzender der Geschäftsführung von CSC in Deutschland
IT aus der Wolke ist ein boomender Wachstumsmarkt: Allein die deutschen Cloud-Umsätze sollen bis 2015 um durchschnittlich 48 Prozent im Jahr steigen, prognostiziert der Branchenverband Bitkom. Die Versprechungen von Cloud Computing klingen verlockend: IT verwandelt sich in einen puren Service, heisst es, der je nach Bedarf ad hoc abrufbar ist und ebenso schnell wieder storniert werden kann. Das lässt viele Unternehmen aufhorchen. Zum Beispiel, weil sich IT-Kosten damit ausschliesslich nach der tatsächlichen Nutzung richten, so dass nicht mehr für brachliegende Kapazitäten gezahlt werden muss. Das Wolkenmodell entlastet zudem das Anlagevermögen und verbessert dadurch den Cash-Flow.
Innovationskraft aus der Wolke
Weit wichtiger jedoch: Clouds stellen IT-Dienste um ein Vielfaches schneller bereit als die eigene IT-Abteilung. In manchen Unternehmen gehen bis zu zwölf Wochen ins Land, bevor ein neuer Server mit den gewünschten Anwendungen einsatzbereit ist. Cloud-Anbieter erledigen Vergleichbares in wenigen Minuten. Der Zeitvorsprung wiederum, mit dem produktivitätssteigernde Systeme genutzt werden können, ist in vielen Branchen ein zunehmend wettbewerbsrelevanter Faktor.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Sobald beispielsweise eine Windows-Farm vom hauseigenen Rechenzentrum in eine Cloud verlagert ist, sind hochqualifizierte IT-Kräfte nicht länger mit Software-Updates und Fehlerbereinigung befasst. Sie können sich stattdessen um neue Technologien kümmern, die das Unternehmen substanziell voranbringen. Clouds setzen auf unterschiedliche Weise Innovationskraft frei – und verändern damit das Unternehmen. Cloud Computing hat eindeutig strategische Bedeutung – weshalb das Thema nicht nur in IT-Abteilungen gehört, sondern vor allem in die Chefetage.
Allerdings ist kein Unternehmen wie das andere, und nicht jeder Prozess ist so ohne weiteres tauglich für Cloud Computing – wobei sich auch gleich die Frage stellt, welcher Cloud-Typ denn eigentlich gemeint ist: eine Public, Private oder Hybrid Cloud? Hybrid Cloud steht hierbei für alle möglichen Kombinationen aus öffentlichen und privaten Wolken, einschliesslich konventioneller IT-Anteile.
Individuelles Wolkenticket
Wer einen Dienstleister als Reiseleiter durchs Cloud-Dickicht sucht, sollte auf herstellerunabhängige Beratung achten. Starten sollte die Cloud-Reise generell mit einer detaillierten Bestandsaufnahme der eigenen Abläufe. Auf dieser Basis lassen sich dann Kernprozesse identifizieren und von Kontextabläufen trennen, die keinen unmittelbaren Mehrwert stiften. Als ideale Cloud-Kandidaten können vor allem stark standardisierte Kontextabläufe gelten wie E-Mail oder CRM. So hat die Stadtverwaltung von Los Angeles ihre rund 35 000 E-Mailkonten in die Google-Cloud verlagert.
Im laufenden Jahr wird die Standardisierung von Cloud-Technologien voraussichtlich weitere Fortschritte machen. Das erleichtert zum Beispiel den Anbieterwechsel und verringert somit Abhängigkeiten – die Einstiegshürden in die Wolke hängen damit ein Stück tiefer. Doch schaffen auch die besten Standards eines nicht aus der Welt: die Notwendigkeit einer eigenen, unternehmensspezifischen Cloud-Strategie.
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