Horst Martin Dreyer zeigt Perspektiven von eHealth-Anwendungen auf
Bericht -- Mai 31, 2010
Keynote auf dem Zuse 2.0-Kongress in Wiesbaden / Der deutsche eHealth-Markt im internationalen Vergleich
WIESBADEN, 31.05.2010. Anlässlich des 100. Geburtstages des Technikpioniers Konrad Zuse richtete die hessische Staatskanzlei den öffentlichen IT-Kongress "Hessen im Dialog: Zuse 2.0 Hessen – Standort der Ideen“ im Wiesbadener Kurhaus aus. Eingeladen waren neben dem Fachpublikum alle Bürgerinnen und Bürger des Landes Hessen. Der Kongress sollte nicht nur den IT-Standort Hessen vorstellen, sondern auch die Diskussion von Zukunftsperspektiven fördern. In sieben Foren gaben Experten einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik anhand von alltagsrelevanten Themen. Dabei reflektierten sie das Werk Zuses und dessen Inspirationskraft für heutige Ideen und Projekte.
Im Forum I "eHealth – Telematik im Gesundheitswesen“, moderiert vom hr-Info-Redakteur Andreas Hurschler und eröffnet vom hessischen Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit Jürgen Banzer, lag der Fokus auf dem Potenzial und den erkennbaren Umsetzungstrends moderner eHealth-Anwendungen. In seiner Keynote setzte Horst Martin Dreyer, Mitglied der Geschäftsleitung und Director Healthcare für die Central Region bei CSC, die Situation in Deutschland in einen internationalen Kontext und zeigte die Potenziale für die Zukunft auf.
Der Status quo
Zu Beginn seines Vortrags zeigte Dreyer acht aktuelle Trends auf, die aus Sicht von Kostenträgern und Leistungserbringern im deutschen Gesundheitswesen den Markt bestimmen:
- Krisenresistenter Optimismus.
Überdurchschnittliche Marktentwicklung dank steigender Nachfrage erwartet. - Aufstockung der Reformen.
Zusätzlich Anreizsysteme und Flexibilisierung gewünscht. - Hoheit im Versorgungsmanagement angestrebt.
Kostenträger und Leistungserbringer positionieren sich. - Kostendruck führt zu Industrialisierung.
Finanz- und Risikomanagement sowie Prozessautomation und eAkte hoch im Kurs. - Prozessoptimierung durch eHealth.
Die Telematik hilft, die Schnittstellen im Versorgungsprozess zu optimieren. - Konsolidierung der Branche.
Jede zweite Krankenkasse und jedes dritte Krankenhaus plant Fusionen. - Kundenbestand managen.
Der Morbi-RSA (morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich) stellt neue Anforderungen an alle Marktteilnehmer. - Neue Geschäftsfelder gesucht.
Steigender Wettbewerb treibt Produktinnovationen an.
Die daraus abgeleiteten Anforderungen können alle Beteiligten nach seiner Einschätzung nur mit einem Versorgungs- und Leistungsmanagement auf Basis von eHealth effizient erfüllen. Während in Europa die eHealth-Nutzung in den letzten Jahren insgesamt signifikant anstieg, hinkt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich hinterher und belegt im Rahmen des Euro Health Consumer Index 2009 lediglich Rang 18 von 33 untersuchten Ländern.
Der Vergleich mit Dänemark
"Deutschland kann von seinen Nachbarn noch einiges lernen. Blicken wir zum Beispiel auf die Niederlande und Dänemark, wird deutlich, wie viel Potenzial das deutsche Gesundheitswesen verschenkt“, erklärte Dreyer.
So nutzen beide Länder bereits seit langem das elektronische Rezept, um das Verantwortliche hierzulande immer noch heftig ringen. In Dänemark erfolgt die Kommunikation der involvierten Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken bereits zu fast 100 Prozent elektronisch – in Deutschland ist dies derzeit nicht absehbar. Ebenso besteht bei der elektronischen Patientenakte ein vergleichbarer Aufholbedarf.
Das Beispiel häusliche Pflege
Auch Fragen des Ambient Assisted Living, also Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die neue Technologien und das soziale Umfeld zur Verbesserung der Lebensqualität für Menschen in allen Lebensabschnitten miteinander verbinden, diskutierte der CSC-Healthcare-Experte im Rahmen des Forums.
Als Vorreiter gilt hier ebenfalls Dänemark, das im Euro Health Consumer Index 2009 die höchste Punktzahl erhielt. In dem skandinavischen Land werden alle an der ambulanten Versorgung Beteiligten miteinander vernetzt und zentral koordiniert und gesteuert. So plant etwa die Stadt Koppenhagen mit der Softwarelösung "Vitae Care“ zentral den Einsatz der mobilen Dienste. Mit dieser von CSC entwickelten und betriebenen Plattform werden derzeit 37.000 aktive Personendaten, 90.000 Hausbesuche pro Woche sowie ca. 400 Notfall-Anrufe pro Tag verwaltet.
"Wir von CSC betreiben seit mehr als zehn Jahren für 1,5 Millionen Patienten in der Mehrzahl der dänischen Städte und Gemeinden Ambient Assisted Living. Die Kosten pro Person und Monat liegen dafür bei 50 Cent. Der Selbständigkeitsgewinn eines Dänen im Vergleich zu einem Deutschen liegt durch solche Massnahmen bei acht Monaten“, erläutert Dreyer und ist davon überzeugt, dass jede professionell aufgesetzte Initiative in Deutschland von einem ähnlichen Erfolg ausgehen kann.
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