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2009.06.26 CSC hat enormen Einsatz gezeigt / Interview


Krankenhaus-Informationssystem / Projekt Landeskrankenhaus Klagenfurt

Die abzulösenden zwei Individualentwicklungen im Bereich Krankenhaus-Informationssystem und das alte Administrativsystem verursachten aufgrund der heterogenen Architektur und der veralteten Technologien hohe Wartungskosten. Sie sollten durch Standardlösungen ersetzt werden und das neue "Krankenhaus-Informationssystem" (KIS) bilden. Das neue KIS ist eine umfassende Krankenhauslösung, welche die medizinisch-pflegerische Dokumentation, die Patientenadministration und die Abrechnung umfasst. Durchgehende und interdisziplinäre fachliche Prozesse unterstützen dabei die Ärzte und Pflegenden. Durch die Transparenz der Prozesse sind diese analysier- und steuerbar und bieten zusammen mit dem vereinfachten Systembetrieb zusätzlich einen grossen wirtschaftlichen Nutzen. Das Projekt wurde im Sommer 2003 in Auftrag gegeben und die Ablösung der Kernsysteme im Sommer 2007 abgeschlossen. Das LKH hat mit der Firma GWI (heute Agfa Healthcare) und der CSC als Gesamtprojektleiterin zusammengearbeitet. Aufgrund der positiven Erfahrungen und hohen Akzeptanz durch die Benutzer wird das integrierte Modul für die Pflegedokumentation bis etwa April 2010 in weitere drei Krankenhäuser ausgerollt.

pichler2.jpgMagister Franz-Georg Pichler (46) ist Leiter des Kompetenzzentrums "Medizinische Applikationen und Infrastruktur" (CC MAI) der KABEG (Kärntner Landeskrankenanstalten Betriebsgesellschaft) und CIO des Landeskrankenhauses Klagenfurt. Das LKH hat 1600 Betten mit jährlich rund 80 000 stationären Patienten; es verzeichnet pro Jahr 400.000 ambulante Besuche und hat 3900 Beschäftigte. Pichler ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Ihr Kompetenzzentrum ist vor allem für die Funktionalität, Stabilität, Ausfallsicherheit und die Wirtschaftlichkeit der Systeme verantwortlich. Wie sah die Situation damals aus?
Franz-Georg Pichler:
Das bisherige Individualsystem MedIS, das auf 21 unabhängigen Servern verteilt war, verhinderte den Überblick, einheitliche Sichten und auch die Datenkonsistenz. Die eingesetzte Technologie beruhte auf dem auslaufenden Betriebssystem OS/2. Das in sich heterogene System MedIS wurde vom speziell für diese Unterschiedlichkeiten entwickelten Abrechnungssystem "Paris" unterstützt – verbunden mit enormem Anpassungs- und Wartungsaufwand. Auch genügte es den heutigen Ansprüchen an die Verfügbarkeit nicht mehr. So wurde beispielsweise ein einfacher Blinddarm-Eingriff in sieben Systemen abgelegt.

Und heute?
Das heutige System läuft stabil und deckt alles ab. Und beim Beispiel Blinddarm werden alle medizinischen, pflegerischen und administrativen Dokumente insgesamt nur einmal abgelegt und sind für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Wie gross ist das Projekt?
Inklusive Hardware, Software und Dienstleistungen aller Partner sind es 9,5 Mio Euro.

Wurde denn das ursprüngliche Budget eingehalten?
Das wurde es! Allerdings hat es auch damit zu tun, dass das Projekt teilweise entschlackt wurde. Wir hätten uns sonst zuviel zugemutet: Alles umstellen, alle Prozesse ändern, sämtliche Daten auf einen Schlag im neuen KIS zur Verfügung stellen.

Das klingt nach viel Arbeit bei der Datenmigration ...
Allerdings. Es hat die CSC sicher viel Schweiss gekostet. Wir wussten zwar, dass wir uns bei der Migration der Daten von den alten Systemen auf einen Haufen Arbeit einstellen mussten, aber wir haben es trotzdem unterschätzt bzw. die Datenqualität überschätzt. Hier hat die CSC beim "Daten-Clearing", wie wir es nennen, enormen Einsatz gezeigt.

Das neue KIS sollte "state of the art" sein. Ist es das?
Ja, weitestgehend. Ein Beispiel ist die Einbindung der eCard-Funktionalität. Aber die Zeit bleibt nicht stehen,  und deshalb wird auch unser KIS weiterentwickelt werden müssen.

Ist Service Oriented Architecture (SOA) auch ein Thema?
Das ist vor allem einmal ein Schlagwort. Noch sind wir bei den Krankenhäusern des Kabeg-Verbunds nicht davon überzeugt. Das hat auch damit zu tun, dass das Gesundheitswesen geradezu ein Sammelsurium an Schnittstellen ist.

Mit der Verantwortung für die Gesamtprojektleitung wurde die CSC betraut. Was gab den Ausschlag für die Wahl der CSC?
Grundsätzlich: Die 15 Jahre Expertise der CSC und ihr Profil als unabhängige Integratorin. Die CSC war bereits in früherer Zeit für unser Haus erfolgreich tätig.

Und sonst?
Um es deutlich zu sagen: CSC und GWI haben zusammen die eindeutig beste Offerte eingegeben – ein eindeutig nachvollziehbares Konzept. Die CSC-Experten konnten als einzige den Nachweis erbringen, dass sie etwas vom IT-Betrieb im Gesundheitswesen verstehen und genau wussten, worauf sie sich einlassen. Andere Anbieter dagegen wissen oft nicht genau, was sie damit anfangen sollten.

An welches Highlight bei der Einführung und der Zusammenarbeit mit der CSC können Sie sich erinnern?
Das war der Rollout bei den ersten 17 oder 18 Institutionen. Davor hat sich so mancher gefürchtet, aber wir brachten alles ohne ernsthafte Probleme über die Runden. Es funktionierte allen Unkenrufen zum Trotz!

Trotzdem: Was würden Sie heute anders machen?
Es gab natürlich auch Schattenseiten und einmal einen zusätzlichen Anlauf. Manchmal stand die CSC etwas zwischen den Stühlen. Da hätte die CSC mehr Durchgriff auf die Agfa-Verträge haben sollen. Und bei uns beim LKH hatten wir eine komplizierte Ausgangslage. Da musste man sich schon sehr gut bei uns auskennen, um alles abschätzen zu können. Heute würde ich mir viel genauer überlegen, wieviele alte Daten wirklich migriert und konsolidiert werden müssen.

Aber hätte die CSC etwas anders machen können oder sollen?
Nein, eigentlich nicht. Die Schwierigkeiten hatten praktisch nichts mit der CSC zu tun. Die Entscheidung zu diesem Projekt mit diesen Partnern war die richtige.

Was raten Sie anderen Projektleitern beim Umgang mit externen Dienstleistern?
Wir haben bei diesem grossen Projekt gesehen, dass es vorteilhaft ist, mit grossen Dienstleistern und nicht kleinen Anbietern zusammenzuarbeiten. So konnte die CSC, als wegen Versagen anderer Partner plötzlich dringend mehr Kapazität nötig wurde, Ressourcen nachliefern, fast aus dem Hut zaubern. Ich weiss natürlich nicht, wie das innerhalb der CSC ablief, aber wir waren beeindruckt. Ein kleiner Partner hätte das nicht geschafft.

Wie fühlt man sich als Projektleiter nach so einer langen und intensiven Auseinandersetzung mit dem Projekt?
Nach vielen Tiefs und Hochs, die wir hinter uns gelassen haben, herrscht nun gespannte Erwartung auf den grossen Durchbruch. Es ist wie bei den Beschenkten kurz vor Weihnachten: Die Ungeduld der letzten Minute.

Was wird die Zusammenarbeit mit der CSC in Zukunft bringen?
Wir werden den Betrieb gemeinsam mit der CSC weiterbetreiben. Bei den Prozessoptimierungen ist die CSC weiterhin im Boot. Das gilt auch für die Umsetzung der IT im Neubau. Die CSC unterstützt die Kabeg beim weiteren Rollout der elektronischen Dokumente intensivst und hat auch die Schulungskonzepte entwickelt. Und es kommt sicher noch das eine oder andere hinzu.

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