Interview zur Cloud in Österreich mit Andreas Keisler
Bericht -- Januar 30, 2013
1. CSC hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass 72% der Österreicher Angst um ihre Cloud-Daten haben. Bestätigt dies Ihre Erfahrung?
Keisler: Sicherheit war und ist in Österreich ein wichtiges Thema. Sehr viele Österreicher, wissentlich oder unwissentlich, nutzen heute bereits die Cloud, um Ihre Daten zu verwalten: Wir verwenden Smartphones, die nach einer Reparatur ihre Daten aus der "Wolke" wiederbekommen, Online-Werbung weiß, was wir in der Vergangenheit gesucht und gekauft haben, das Navigationssystem in unseren Autos kann auf Bewegungsdaten von Mobilfunkgeräten zurückgreifen, um uns den schnellsten Weg zu weisen - all das wäre ohne Cloud nicht möglich.
Gleichzeitig haben wir, berechtigterweise, den Anspruch, dass genau diese Daten eben nur zu den Zwecken genutzt werden, derentwegen sie gesammelt werden bzw. diese nicht in falsche Hände geraten.
Aus vielen Gesprächen kann ich bestätigen, dass die große Mehrheit gewährleistet haben möchte, dass die Daten in der Wolke sicher sind. CSC hat dies von Beginn an sehr ernst genommen.
2. Auf welche Sicherheitskriterien müssen Unternehmen in Bezug auf Cloud achten bzw welche müssen erfüllt sein?
Keisler: Wir leben heute in Europa in einer weitgehend regulierten Welt. Wir können auf Normen und Regularien bauen, die uns von verschiedenen Institutionen vorgegeben werden und deren Einhaltung Firmen wie CSC zertifizieren lassen.
Wichtig ist: Jeder Service eines Vertragspartners unterliegt den Regularien jenes Landes, indem dieser die Leistung erbringt; somit sollte man als Kunde genau darauf achten. Letztlich wird der Prüfaufwand für eine Cloud-Dienstleistung bei einem IT-Dienstleister, der wie CSC die Leistung lokal in Österreich anbietet, wesentlich geringer ausfallen als bei einem Anbieter, der das beispielsweise ausschließlich aus Indien tut.
Darüber hinaus, muss bei Cloud-Dienstleistungen die gleiche Sorgfalt angewendet werden, wie bei anderen Dienstleistungen auch. Neben der Einhaltung aller gesetzlichen und normativen Vorgaben, sollte ein Kunde auch die Einhaltung der üblichen Betriebs- und Sicherheitsstandards wie ISO27.001 und ISO20.000 einfordern.
3. Die Nachfrage nach Cloud-Lösungen ist in Österreich, verglichen zu anderen Märkten, noch verhalten. Abgesehen von der Sicherheit als Nachfragehemmnis, welche weiteren Gründe sehen Sie hierfür?
Keisler: Versteht man die Cloud als Lösung, um IT-Leistungen an Anbieter zu übergeben, die diese aus weit entfernten Lokationen erbringen, so ergeben sich natürlich weitere Fragestellungen. Dazu zählen neben den Sicherheitsbedenken und den Risikokosten, die durch die schwierigere Lieferantenbeurteilung entstehen kann, oft die mangelnde Kostentransparenz der Angebote und damit die erschwerte Planbarkeit der Budgets. Darüber hinaus gibt es auch, wie erwähnt, rechtliche Bedenken bei der Erbringung der Leistung in einem anderen Teil der Welt. CSC beschäftigt sich als weltweites Unternehmen damit und berät hierzu ihre Kunden in Österreich umfassend.
4. Wie wird sich das Thema Cloud in Österreich entwickeln bzw welche Trends zeichnen sich ab?
Keisler: In den kommenden Jahren wird die Standardisierung und somit die Austauschbarkeit der Anbieter im Betriebsbereich weiter zunehmen. Der pure Betrieb von standardisierter IT ist auf dem Weg „Commodity“ zu werden, um Business zu enablen, das nicht als Kernkompetenz eines Unternehmens gesehen wird. Das ist, verglichen zu früher, ein tiefgreifender Wandel zum Verständnis von IT.
Im Gegenzug steigt die Notwendigkeit die Business-Prozesse und deren immer kürzere Zyklen effizient durch IT zu unterstützen und damit die Applikationslandschaft immer flexibler dem Geschäft anzupassen.
Somit gehe ich davon aus, dass wir die Cloud im IT-Betrieb als den Standard erleben werden. Zudem wird sich die Bereitstellung von Applikationen hin zu einem verbrauchsorientierten Modell entwickeln, das wesentlich näher an den nutzenden Abteilungen der Unternehmen ist. Die Menge der dabei aus den Unternehmen ausgelagerten IT-Prozesse wird daher in den kommenden Jahren steigen, um diese nötige Flexibilität sicherzustellen.
Über Dipl.Ing. Andreas Keisler:
Andreas Keisler verantwortet seit 2002 als Mitglied des Austrian Board den Bereich MSS (Managed Services Sector) bei CSC Austria und CSC Eastern Europe. MSS ist integriert in das globale Outsourcing-Geschäft von CSC und erbringt seine Leistungen für lokal österreichische, regional europäische und für globale Kunden.
